Arbeitskreis Begabungsforschung
und Begabungsförderung e.V.

Berichte und Nachrichten aus der Region

Berichten Sie über interessante Veranstaltungen, Tagungen, Kongresse, Pressehinweise und weitere Aktivitäten in Ihrer Region. Informieren Sie über den Stand der Begabungsforschung und –förderung in Ihrem Bundesland.


Ankündigung des 4. Münsterschen Bildungskongresses in Verbindung mit der 13. Internationalen ECHA Konferenz GiftednessAcrosstheLifespan – Begabungsförderung von der frühen Kindheit bis ins Alter

12.–15. September 2012

Der 4. Münsterschen Bildungskongress findet in Verbindung mit der 13th International ECHA Conference im September 2012 statt. Es ist eine besondere Auszeichnung, dass das Internationale Centrum für Begabungsforschung (ICBF) vom European Council for High Ability (ECHA) nach vorausgehenden Konferenzen in Paris und Prag mit der Austragung des 13th International ECHA Conference beauftragt wurde.

Der Kongress trägt den Titel „GiftednessAcrosstheLifespan – Begabungsförderung von der frühen Kindheitbis ins Alter“. Der thematische Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Begabungsforschung und Begabtenförderung über die gesamte Lebensspanne und wird neben der schulischen explizit auch die frühkindliche und berufliche Bildung fokussieren. Hierbei sollen vor allem die Notwendigkeit einer Kontinuität in der Förderung sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Bedürfnissen der Betroffenen je nach Alter und Institution (Elternhaus, frühkindliche Bildung, schulische und außerschulische Bildung, berufliche und universitäre Bildung, Erwachsenenbildung) in den Blick genommen werden. Die Vorträge werden sowohl fächerübergreifende als auch fächerspezifische (wie zum Beispiel die MINT-Fächer) Themen behandeln.

Insbesondere die Hauptvorträge werden sich der kontinuierlichen Begabungsförderung im Sinne des lebenslangen Lernens annehmen. So wird der Kongress durch einen Vortrag von Prof. Dr. Nicholas Colangelo von der Universität Iowa mit dem Titel „Die kognitiven und affektiven Aspekte der Akzeleration: Internationale Anwendungsbeispiele“ (in englischer Sprache) eröffnet. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln werden sich auch die weiteren Hauptvorträge dem Thema der Begabungsentwicklung widmen. So konnten neben bereits Prof. Dr. Peter Csermely (Budapest, Ungarn), Prof. Dr. David Henry Feldman (Massachusetts, USA), Prof. Dr. Margrit Stamm (Fribourg, Schweiz),Prof. Dr. Heidrun Stöger (Regensburg, Deutschland) und Dr. Rena F. Subotnik (Washington D.C., USA) für die Hauptvorträge gewonnen werden. In einer speziellen Abendveranstaltung wird Joseph Renzulli (Connecticut, USA) von Forschungen aus dem Umgang mit begabten Personen über die gesamte Lebensspanne berichten. In einer weiteren Abendveranstaltung wird Kirsi Tirri (Helsinki, Findland) eine Filmpräsentation zum hochgelobten finnischen Schulsystem halten.

Insgesamt sind mehr als hundert Vorträge, Symposien und Workshops in deutscher und englischer Sprache zu alters-, institutions-, fachspezifischen und -übergreifenden Themen vorgesehen, zu denen etwa 800 Teilnehmende erwartet werden. Der Teilnehmerkreis setzt sich zusammen aus Pädagogen aus dem vorschulischen und außerschulischen Bereich, Lehrkräften unterschiedlicher Schulformen, Verantwortlichen in der Lehreraus- und fortbildung, VertreterInnen der Bildungsverwaltung und Politik, WissenschaftlerInnen und Studierenden und interessierten Eltern.

Die Kombination der beiden Kongresse eröffnet den TeilnehmerInnen ein besonders vielseitiges wie umfangreiches Veranstaltungsangebot und einen länderübergreifenden Praxisaustausch. Dabei soll ein möglichst bildungsbereichs- und lebensphasenübergreifender Blick auf die Thematik Begabungsforschung und Begabtenförderung geworfen werden.So sind als Schwerpunkte des Kongresses vorgesehen:

  • Vorstellung von Konzepten und Programmen für die lückenlose, institutions- und lebensphasenübergreifende Begabungs- und Begabtenförderung, d.h. Untersuchung und Umsetzung besonders differenzierender Lernsituationen über die gesamte Lebensspanne von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter.
  • Setzen neuer Impulse für die Begabungsforschung und –förderung, durch die Betonung der zunehmend in den Fokus gerichtetenco-kognitiven Merkmale (z.B. Motivation, Selbstregulation) für lebenslange Lernprozesse im Hinblick auf eine ganzheitliche Begabungsentfaltung und Persönlichkeitsentwicklung.
  • Austausch und Kommunikationfür die internationalen TeilnehmerInnenmit ihren verschiedenen Schwerpunkten der Begabungsforschung und –förderung, um neben der theoretischen Auseinandersetzung einen praktischen Erfahrungsaustausch zum Thema „GiftednessAcrosstheLifespan“ zu ermöglichen.
Die Veranstalter und die Kooperationspartner sind davon überzeugt, dass durch die Verbindung des Münsterschen Bildungskongresses mit dem Kongress des European Council for High Ability viele bereichernde Impulse ausgehen werden, neue, auch internationale Kooperationen entstehen und diese vor allem in Kindertagesstätten, Schulen, Berufsausbildung, Universitäten und Weiterbildung im Sinne eines lebenslangen Lernens Wirkung zeigen.

Wir würden uns freuen, Sie zum 4. Münsterschen Bildungskongress vom 12. – 15. September 2012 begrüßen zu dürfen!


10 Jahre begabungspsychologische Beratungsstelle „Odysseus-Projekt“ der Universität Rostock

Die begabungspsychologische Beratungsstelle des „Odysseus-Projekts“ am Institut für Pädagogische Psychologie „Rosa und David Katz“ der Universität Rostock feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Seit September 2001 können sich Eltern, die Informationen bei begabungs¬psycho¬logischen Fragestellungen und Hilfestellung in Angelegenheiten der Schullaufbahngestaltung erhalten möchten, an die Beratungsstelle wenden.

Daneben steht die Beratungsstelle auch Lehrkräften an Schulen, pädagogischem Personal in Kindergärten, Ergotherapeuten sowie Mitarbeitern in Förder¬instituten zur Verfügung. Der Begriff ‚Odysseus’-Projekt verweist auf das Selbstverständnis der Beratungsstelle: Orientierung, Diagnostik, Dynamik, Selbstorganisation, Selbstkompetenz, Entwicklungsstimulation, Unterricht sowie Soziale Integration.

„Zu den häufigsten Anfragen zählen Informationswünsche zum Thema Begabung allgemein, oftmals im Zusammenhang mit der Überprüfung einer vermuteten Hochbegabung von Kindern und Jugendlichen“, sagt der Leiter der Beratungsstelle, Prof. Dr. Christoph Perleth. Fragen nach gezielter schulischer und außerschulischer Förderung, zur individuell geeigneten Schullaufbahngestaltung oder auch zu plötzlich auftretenden Leistungsproblemen in der Schule oder nachlassende Motivation für schulische Inhalte sind ebenfalls Anliegen, mit denen sich Familien häufig an die Beratungsstelle wenden.

„Schüler mit gutem und sehr gutem Denkvermögen erreichen nicht zwangsläufig auch hohe Leistungen. Vielmehr kommt es bei der Umsetzung von Begabung in Leistung auf Persönlichkeitsmerkmale wie Anstrengungsbereitschaft, Stressbewältigung oder auch Arbeitsstrategien an“, so Perleth.

Es wenden sich durchschnittlich 110 Familien jährlich an die Beratungsstelle. Seit Aufnahme der Beratungstätigkeit konnten 1127 Fälle nach teils umfangreicher Diagnostik und Beratung abgeschlossen werden. Ein knappes Fünftel (17,7 %) der getesteten Kinder und Jugendlichen erzielten im Intelligenztest einen IQ von 130 und höher. Von den in der Odysseus-Beratungsstelle vorgestellten hochbegabten Kindern haben bislang 46 mindestens eine Klassenstufe übersprungen.

Am 14. Oktober 2011 findet anlässlich des 10. Geburtstages der Beratungsstelle im Orgelsaal der Hochschule für Musik Rostock eine Festveranstaltung statt. Den Festvortrag am Vormittag wird Prof. Willi Stadelmann aus Luzern zum Thema „Die begabungsfördernde Schule“ halten. Prof. Stadelmann ist Hirnforscher, Pädagoge und Psychologe und war bis vor kurzem als Rektor der Pädagogischen Hochschule der Zentralschweiz und Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Schweizer pädagogischen Hochschulen tätig. Er ist seit Jahren in internationalen Gremien der Begabungsforschung tätig und wirkt in Expertenkommissionen für Schulentwicklung und Entwicklung der Lehrerbildung mit.

Für den Nachmittag ist ein Symposium geplant, das vor allem Lehrkräfte ansprechen soll. Frau Dr. Ana Altaras (Universität Belgrad) wird Hinweise zu Persönlichkeitsmerkmalen und zum Umgang mit Schülern geben, die trotz hoher Begabung nur mäßige oder gar schlechte Schulleistungen erzielen. Prof. Kurt Heller (Universität München) wird über seine Forschungen zur Gestaltung von naturwissenschaftlichen Extrakursen berichten und Dr. Mitra Anne Sen (Rostock) und Jan Kwietniewski (Hamburg) werden die anwesenden Lehrkräfte in den Gebrauch eines Beobachtungsbogen einführen, der die systematische Förderung hochbegabter Jugend¬licher unterstützen soll. Schließlich sollen abschließend in einem Podiumsgespräch auch Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen, die vor einigen Jahren mit ihren Eltern die Beratungsstelle aufgesucht haben.

Kontakt:
Universität Rostock
Philosophische Fakultät
Institut für Pädagogische Psychologie
Prof. Dr. Christoph Perleth
Fon: +49 (0)381 498 2651
eMail: christoph.perleth@uni-rostock.de


weitere Projekte aus 2011

Die Universität Camilo José Cela hat Howard Gardner und Joseph Renzulli die Ehrendoktorwürde verliehen: weiterlesen…

Unser Mitglied Roya Klingner feiert 3 Jahre Beratungszentrum: weiterlesen…

Pfiffikus Berlin gibt es seit 10 Jahren: weiterlesen…

Die BbB Hamburg gibt es nun seit 15 Jahren: weiterlesen…


Erfolgreiche öffentliche Ringvorlesung in Hamburg

Das Netzwerk Begabtenförderung Hamburg e.V. und der Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg veranstalten im Sommersemester 2011 eine Ringvorlesung „Begabung – Individuum - Gesellschaft. Begabtenförderung als pädagogische und gesellschaftliche Herausforderung“. In 12 öffentlichen Veranstaltungen werden von hochkarätigen Referent/innen verschiedener Disziplinen zentrale Themen der Begabungs- und Begabtenförderung vorgestellt und diskutiert.

Die viel beachtete und sehr gut besuchte Vortragsreihe dient auch zur weiteren Vernetzung des Themas in der norddeutschen Region. Alle Beiträge erscheinen im nächsten Jahr in einer Buchveröffentlichung. Vorlesungsfolien und -texte sind auf einer universitären Webseite abrufbar (www.educommsy.uni-hamburg.de). Zusätzlich werden alle Vorträge per Videoaufzeichnung zugänglich gemacht (http://lecture2go.uni-hamburg.de/veranstaltungen). Das gesamte Programm kann als PDF herunter geladen werden (www.netzwerkbegabung.de)

Dr. Wilfried Manke


News 24

Aus Österreich …

Grunderlass zur Begabtenförderung in der Schule


Die weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannte Zeitschrift news & science des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) dokumentiert in ihrem ersten Heft 2010 (Nr.24) als Schwerpunktthema den neuen „Grunderlass zur Begabtenförderung“ des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Min.-Rat Dr. Köhler betont als Besonderheit Österreichs die „strukturelle Stärke“ durch Vernetzung u.a. des Bildungsministeriums mit dem ÖZBF, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass eine systematische und nachhaltige Begabtenförderung „im Schulwesen nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel“ darstellt. (S.5) Insofern soll der neue Grunderlass dazu auffordern, die begabungsfördernde Praxis an den Schulen durch Integration, Separation, Individualisierung, Differenzierung, Enrichment und Akzeleration zu intensivieren. Der Grunderlass betont vier Grundprinzipien: Stärkeorientierung, Umgang mit Stereotypen gegenüber (Hoch)begabten, Vielfalt in der Förderung sowie natürlich Schulentwicklung: „Nur wenn Begabtenförderung als schulumfassendes Konzept institutionalisiert wird, ist für alle begabten Schüler/innen der Schule kontinuierliche Förderung gewährleistet.“ (S.7) Umgesetzt werden soll der Erlass vor allem durch eine „förder- und entwicklungsorientierte pädagogische Diagnostik“ (S.8) sowie durch unterrichtliche Differenzierung und Individualisierung incl. Leistungsrückmeldungen, wie Lernzielvereinbarungen, Portfolios, Kompetenzraster, Selbst- und Fremdeinschätzungsbögen. Das bisherige Lehr-Echo bleibt zwiespältig. Vor allem wird auf die fehlenden Rahmenbedingungen hingewiesen, und gut Gemeintes trifft zu häufig auf konterkarierende Schulstrukturen und fehlende Lehrerkompetenz. Das ÖZBF bietet umfangreiche Hilfen bei der Umsetzung des Erlasses an, u.a. mit Fachbroschüren und selbst erstellten Handreichungen, mit einem Lehrmittelpool sowie einer Best-Practice-Datenbank.

Aus dem ÖZBF

Auch dieses Heft informiert wieder über ÖZBF-Veranstaltungen und Forschungsprojekte. So wird berichtet über eine Salzburger Tagung, die sich zum Ziel setzte, „Synergien hinsichtlich Lehrveranstaltungen und Forschungsvorhaben von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten“ zu ermöglichen. „Welche Lehrkräfte wünschen sich Hochbegabte?“ Dieser Frage geht eine „Wunschlehrerstudie“ vom Prof. Dr. Christoph Perleth und Volker Runow nach. Sie vergleicht hoch- und durchschnittlich Begabte der (in Deutschland entsprechenden) 9. und 10. Jahrgangsstufe. Als Fazit wird festgehalten: Hinsichtlich ihrer Lehrerwünsche unterscheiden sich beide Schülergruppen, wenn auch nicht besonders stark. Große Unterschiede gibt es in der Skala „fachlich-methodische Kompetenzen des Lehrers.“ Hier wünschen sich Hochbegabte vor allem ein höheres Lerntempo. Interessant: durchschnittlich Begabte zeigen eine stärkere Abhängigkeit des Interesses von der Lehrkraft, Hochbegabte eher vom Fach. Abschließend diskutieren die beiden Verfasser Ernst Hanys Hinweis, wonach Schülermerkmale wie Begabung, Motivation und Arbeitsverhalten für den Lernerfolg entscheidender seien als tatsächliches Lehrerverhalten. Hieraus könnten sich mögliche weitere interessante Forschungsperspektiven ergeben.

Forschungsberichte aus Regensburg, Graz und Wien
br> Im 2. Teil ihrer Studie zur „Situation hochleistender und hochbegabter Mädchen und Frauen“ betonen Prof. Dr. Heidrun Stöger und Christine Sontag von der Universität Regensburg die nach wie vor existierenden Geschlechtsrollenstereoptype, die vor allem im MINT-Bereich offensichtlich sind. Mädchen entwickeln hier ein ungünstigen Attributionsstil, d.h. zeigen wenig Vertrauen in ihre MINT-Fähigkeiten. So werden Erfolge eher auf Zufall und Glück, Misserfolge eher auf mangelhafte Begabung zurückgeführt. Ursache ist u.a. ein „rationales Männerbild“, das mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung quasi naturhaft suggeriert und ein „emotionales Frauenbild“, das der Entwicklung von MINT-Fähigkeiten entgegensteht. Die Studie bestätigt auch die These, dass Jungen mit „typisch“ unangepasstem Verhalten sehr viel häufiger mit dem Merkmal Hochbegabung identifiziert werden, wohingegen Mädchen mit eher angepassten Verhaltensweisen von vornherein als weniger begabt vermutet werden. Zur Reduzierung der Geschlechtsunterschiede schlagen die Autorinnen vier Gegenstrategien vor: Eltern als Lernmodelle für nichtsterotype Rollenverteilungen, entsprechende Auswahl von Medien, Spiel- und Bildungsangeboten, ein begabungsunterstützendes Reattributionstraining zur Entwicklung von Selbstwahrnehmung und Erwartungshaltung, die keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen zulässt, sowie ein Mentoring zur Herstellung günstiger Lernsituationen.

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Graz und die Karl-Franzen-Universität Graz stellen unter der Leitung von Dr. Hannes Brandau eine Studie „Zur Persönlichkeit von kognitiv und kreativ besonders begabten Kindern“ in der Grundschule dar. Die Autoren betonen, dass „Offenheit für neue Erfahrungen“ ein entscheidendes Persönlichkeitsmerkmal darstellt, „das sowohl mit Intelligenz als auch mit Kreativität in engem Zusammenhang steht.“ (S.25) Deshalb ist für den Grundschulbereich die Schaffung angstfreier „Freiräume für spielerisches Experimentieren“ von höchster Bedeutung. Im Anschluss an Hans-Jürgen Eysencks Klassifikationssystem wird ein „Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeitspsychologie“ vorgestellt: Emotionale Stabilität, Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und die für besonders wichtig erachtete Erfahrungsoffenheit.

Dem problematischen Verhältnis zwischen Hochbegabten und Waldorfschule spürt Carolin Sommerfeld-Lethen von der Universität Wien aus einer bildungstheoretischen Perspektive nach. Ihre Hauptthese: mit der gegenwärtig verbreiteten lebensweltlichen Erweiterung des Begabungsbegriffs in unterschiedlichen Mehrfaktoren-Modellen, die auch nicht-kognitive Faktoren betonen, und der damit einhergehenden Verabschiedung eines eindimensionalen, ausschließlich am IQ orientierten Modells wird auch das Interesse der Steiner-Pädagogen am Thema Hochbegabung geweckt. (vgl. hierzu W.M. Götte (Hg.) Hochbegabte und Waldorfschule, Stuttgart 2005) Sie „entnehmen ihnen … die lernpsychologische Begrifflichkeit und versuchen, das, was die Walddorfschule immer schon geleistet hat, mit den aktuell diskutierten Erfordernissen an eine hochbegabungsfreundliche Lernumgebung in Deckung zu bringen.“ (S.31) Allerdings kann eine solche Inanspruchnahme bzw. Instrumentalisierung nicht darüber hinwegtäuschen, dass das grundlegende antiintellektuelle Kompensationsmodell der Walddorfpädagogik unangetastet bleibt: Ziel ist es, die Balance zwischen intellektueller und sozial-emotionaler Entwicklung durch intellektuelle Verlangsamungs- und andere Ausgleichsübungen (z.B. Märchenvorlesen) herzustellen, damit eine „überspannte Wachheit … wohltuend entlastet wird.“ (P. Loebell in: Götte a.a.O.)

Begabtenförderung in der Praxis Hierzu gehören: ein Erfahrungsbericht vom Musikwettbewerb Prima La Musica; Danksagungen an die Ruheständler Dr. Harald Wagner, u.a. langjähriger Geschäftsführer von Bildung und Begabung e.V. und 1. Vorsitzender des ABB, sowie Dr. Günter Schmid, Direktor der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien. Beispiele misslingenden Umgangs mit hochbegabten Migrantenschüler/innen finden sich im Bericht von Dr. Liliana Dubovaya, Geschäftsführerin des Instituts für Begabtenbildung und Integration (BBI). Viele Fallbeispiele machen deutlich, „dass das Problem in der mangelnden interkulturellen Kompetenz“ pädagogischer und anderer Einrichtungen liegt. Hochbegabte Migrantenkinder sind häufig doppelt belastet: durch ihre nicht immer rechtzeitig erkannte bzw. mit Unverständnis oder Unwissen begleitete Hochbegabung und zusätzlich durch ihren Migrationshintergrund.

Dr. Regina Mikula und Dr. Gerhild Bachmann stellen das Schulprojekt „Förderung von Begabungen und Interessen“ am Akademischen Gymnasium in Graz dar - eine Kooperation mit dem Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz. Sie umfasst eine wissenschaftliche Begleitforschung mit eigens dafür ausgebildeten Lehrkräften. Zusätzlich zu ihrem Regelunterricht wählen Schüler/innen eine Interessenvertiefung, schließen einen Lernvertrag ab, kooperieren mit einer Betreuungslehrkraft, stellen Kontakte zu außerschulischen Experten her, dokumentieren und präsentieren ihre Leistungsergebnisse und erhalten ein Zertifikat für ihre Arbeit. Ein deutliches Ergebnis zeigt sich in der erhöhten methodisch-didaktischen und in der sozialen Kompetenz der Schüler/innen. Ihre hohe Zufriedenheit wird mit dem Wunsch begleitet, derartige Lernformen auch in den Regelunterricht zu integrieren. Ebenfalls in Graz läuft ein Schulversuch in der gymnasialen Oberstufe als Matura-Vorbereitung. Hier ersetzt ein themen- und interessenbezogenes Kurssystem das herkömmliche Wahlpflichtsystem.

Wilfried Manke, Hamburg

www.abb-ev.org